Montag, 1. Juni 2009

Das Design der MRT

Vieles wird ja heutzutage zu Tode designed und unterliegt allerlei Vorschriften, nach deren Anwendung die Sinnhaftigkeit des Bauwerks zur Gänze in Frage gestellt werden darf. So wie bei uns rein technische und wirtschaftliche Überlegungen den Bau eines Nahverkehrssystem bestimmen ist dies hier ein eher nebensächlicher Faktor. Hier wird das Aussehen der Strecke und das Stationslayout, in Hinblick auf deren Anordnung, einzig und alleine durch einen bereits älteren Masterplan vorgegeben. Dieser Masterplan wurde aber nicht von einem Städteplaner oder gar einem Stararchitekten zur Welt gebracht, sondern von einem Feng Shui-Meister.

Warum? Weil man hier an Feng Shui glaubt und dies nicht nur bei der MRT tut, sondern auch noch an anderen Orten. Und zwar an wesentlich mehr Orten als man denkt...

So war dies wie gesagt auch bei der MRT, der die Stadt durchquerenden Hoch/U-Bahn, der Fall und musste penibelst von allen verantwortlichen Planern eingehalten werden, da durch eine Falschausrichtung die Geschicke der Stadt negativ beeinflusst werden könnten und dies unter allen Umständen vermieden werden hat müssen. Bei den Abschnitten, welche als Hochbahn geführt werden, war dies noch leichter möglich - Abschnitte die unterirdisch geführt werden waren da schon wesentlich problematischer, da hier noch ein zweites Problem dazu kam: Der Untergrund. Im Feng Shui bedeutet der Untergrund "Tod" und wer möchte bitte schon freiwillig mit "Tod" konfrontiert werden und das dann auch noch täglich am Weg zur Arbeit, in die Schule oder eben nur zum Vergnügen? Eigentlich niemand. Somit stand man beim Bau der ersten unterirdischen Abschnitte vor dem großen Problem, dass alle Singapurer von nun an einen Talisman benötigten und man diesen aber auch schlecht bei den Einstiegsstellen der MRT verteilen konnte und danach wieder einsammelte. Jedem einen von vornherein zu geben war auch nicht möglich, da ja auch die Touristen irgendwie geschützt werden mussten. Also ein großes Problem mit einer anscheinend nahezu unlösbaren Aufgabe... Aber nur nahezu. Denn was trägt jeder bei sich? Ganz einfach: Geld. Und wenn jemand nicht mit Reichtum gesegnet ist, so besitzt er doch zumindest einen Singapur-Dollar. Und mit diesem hält man die Lösung des Problems auch schon in Händen. Der Singapur-Dollar bekam auf der Vorder- und Rückseite ein Achteck eingeprägt und da in chinesischen Kreisen die Zahlen auch eine große Bedeutung spielen und die "8" für Glück und Reichtum stehen war somit jeder Singapurer absofort doppelt glücklich - denn nun hieß es wer einen Dollar in Händen hält ist "gesegnet".
Somit ist es heutzutage jedem Singapurer möglich mit der MRT zu fahren ohne dabei Angst haben zu müssen, dass ihn seine Regierung lieber unter der Erde sehen würde. Auch wenn man dabei manchmal durch Stationen durchfährt, da diese eben Feng Shui gemäß errichtet werden haben müssen - auch wenn oberirdisch kein Einzugsgebiet ist.

Doch wenn ihr denkt, dass ist schon alles an Feng Shui im öffentlichen Raum, dann liegt ihr falsch. Denn auch der Singapore Flyer ist von Feng Shui "betroffen". Er ist zwar richtigerweise nicht ganz rund, aber von achteckig zum Glück auch weit entfernt. Hier spielte Feng Shui eine andere Bedeutung: So wie sich der Singapore Flyer heute dreht, hätte er sich ursprünglich gar nicht drehen sollen. Eigentlich war er von den "blöden Technikern" derart konzipiert gewesen, dass er sich genau anders herum drehen sollte. Ging aber nicht. Denn auf der anderen Seite des Singapore Rivers befindet sich das Finanzzentrum und mit der vorher geplanten Drehrichtung hätte der Flyer gemäß Feng Shui das ganze Geld abgezogen. So aber schaufelt er nun das Geld in das Finanzzentrum hinein...

Feng Shui turns this wheel (of fortune?)

Und von den ganzen Feng Shui Geschichten, bei den Gebäuden der Finanzwelt möchte ich gar nicht erst anfangen...

Aber nicht, dass jetzt irgendwer glaubt, ich mach mich über Feng Shui lustig - das ist ganz sicher nicht der Fall.