Sonntag, 1. November 2009

Flower/Tower

Nachdem an diesem Wochenende nicht nur die Freizeit mitspielt, sondern auch das Wetter war wieder einmal Stadt erkunden und rausgehen angesagt. Wir waren zwar letzten Sonntag auch unterwegs, über Palm Beach nach Ettalong im Norden von Sydney, an der Mündung des Hawkesbury-Rivers, jedoch sind die Fotos nicht atemberaubend, da eine Farbe, welche ja eigentlich keine ist, dominiert: Grau. Es war kalt und regnerisch - somit war der eigentliche Ausflug beschränkt auf ein ausgiebiges Mittagessen in einer weniger hektischen Umgebung in einem Lokal, welches sogar Wanddekoration aufbieten konnte (3,5 Stunden Anfahrt, 2 Stunden Essen, 3,5 Stunden retour). Der eigentlich geplante Ausflug - eine Bootsfahrt am Hawkesbury-River - blieb somit aus.
Interessant war bei diesem Ausflug vor allem die Anfahrt mit der Fähre: Schlangenlinienförmig von einem Ufer zum anderen, da die Bucht ziemlich versandet ist und somit viele Untiefen aufweist.
Gestern war ich dann in der Stadt unterwegs. Ein paar Dinge gibt es ja noch zu begutachten, auch wenn es nicht mehr allzuviele sind...
So stand zuerst der Botanische Garten am Programm, der sich an der Stelle befindet, an welcher der erste Bauernhof Australiens errichtet wurde. Heute befindet sich unmittelbar daneben auch die Oper sowie der "CBD" (=Central Business District). Der "Tower von Sydney" befindet sich ebenso in einer Gehdistanz von rund 15 Minuten - somit ist man eigentlich, bei schönen Wetter, in der Innenstadt von Sydney auf kein weiteres Verkehrsmittel angewiesen, da man sich hier auch zu Fuß bewegen kann, da die Luftfeuchtigkeit in einem äußerst angenehmen Bereich liegt.
Der Botanische Garten bietet neben großen Grünflächen, auf welchen zu verweilen man bereits an den Eingängen eingeladen wird, auch ein Palmenhaus, einen Bereich mit der Geschichte der "Cadi Jam Ora" (die ehemaligen Bewohner der Region rund um Sydney heissen nämlich eigentlich gar nicht "Aboriginals" sondern "Cadigals"), einen klassischen Kräutergarten und natürlich auch einen Regenwald-Pfad. Befindet man sich nicht gerade in der Nähe einer der Liegewiesen herrscht im Park eine Ruhe, die man in dieser Stadt sonst eher lange und meist vergebens sucht. Diese Stille wird dann nur durch das Schreien von Tieren unterbrochen. Zuerst denkt man dabei an die Papageien, welche in der ganzen Stadt heimisch sind und dieser mit ihrem bunten Federkleid immer wieder den tropischen Flair verleihen, bis man dann doch in die Bäume hochschaut um diese eigentlich possierlichen Tiere zu finden. Nach längerem suchen findet man dann auch die Verursacher der Geräuschkullisse, ist jedoch überrascht, dass diese gar nicht bunt sind sondern bräunlich und von den Ästen der Bäume hängen wie reife Früchte. Denn hierbei handelt es sich um keine Papageien sondern sogenannte Flying Foxes. Die hier heimischen Gattungen haben auch eine Flügelspannweite von bis zu über einem Meter und wirken somit gar nicht mehr possierlich - allerdings kann ich euch beruhigen: Es sind Vegetarier.
Nach diesem Blick in den Himmel lenkte ich kurze Zeit darauf meinen Blick erneut in den Himmel, denn plötzlich war Gottes Sohn über mir...
Verlässt man den Park Richtung Südosten erhält man als Belohnung den Ausblick auf die Kombination: Oper + Sydney Harbour Bridge dahinter. Geht man die Bucht in diese Richtung weiter aus, kann man ein Spiel spielen: Nennt mir ein Wort mit acht "o"?! Richtig - Woolloomooloo. Hierbei handelt es sich um eine Bucht, welche unter anderem von der Marine benutzt wird und von wo zB letzte Woche ein Marineschiff verabschiedet wurde, welches sich auf Piratenjagd vor Somalia machte. Geht man den Weg zurück kommt man auf der anderen Seite der Bucht zur Oper und zum Circular Quay, und da hier nun Frühling ist (die Temperaturen sind bereits sommerlich) bricht auch die Reisezeit an und die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe im Circular Quay steigt - gestern gaben sich bereits zwei die Ehre: Die "Amsterdam" lag schon vor Anker, während die "Pacific Dawn" gerade auslief. Wenn sich solche Riesen in einer Stadt treffen wird es für den übrigen Fährverkehr eng und auch Wolkenkratzer schauen nicht mehr so mächtig aus. Und durch diese verstärkte Reisezeit kommt auch ein Sprachphänomen auf. Man fühlt sich plötzlich "heimisch", denn deutsch wird im CBD plötzlich überall gesprochen und man wird auch desöfteren gefragt (weil man ja selbst mit einer Spiegelreflex durch die Gegend läuft und somit als Fotograf gilt) "Coul'd you make a picture of me" - worauf man getrost mit "Aber klar doch, Karl-Heinz" ;-) anworten könnte (man glaubt gar nicht, welcher Unterschied im deutschen Englisch und im österreichischen Englisch steckt...).
Abschließend führten mich meine Pfade noch in die Market-Street, in welcher der Sydney-Tower steht, und ich ja zu Beginn meines Sydney-Aufenthalts eine "Discov3ry"-Card erworben habe, welche den Eintritt zu diesem inkludierte. Nach einer fast vollständigen Umrundung des Turms - unabsichtlich, da sich dieser derzeit von einer Baustelle umzäunt befindet und man natürlich sich den Rest der Stadt auch anschaut und somit nicht unbedingt auf A4-große Zettel achtet - fand ich doch den richtigen Weg und musste feststellen, dass der Lift im Büro schneller unterwegs ist. Aber gut Ding braucht Weile und irgendwann kam auch dieser Lift an. Oben angelangt war ich dann aber doch etwas enttäuscht, da die Architekten der Stadt die reife Leistung vollbrachten, dass der Blick auf die Oper fast vollständig verbaut wurde und die Sicht auf die Brücke auch nur teilweise gegeben ist... (das stellt man sich dann doch irgendwie anders vor...). So nutzt man aber die Gelegenheit und verschafft sich einen groben Überblick über die Stadt, den man mit den sonst mitgelieferten Karten (Plänen) sowieso nicht erhalten würde und überlegt wo man als nächstes hinsteueren könnte. Am Weg nach Hause habe ich dann noch im Victoria Building vorbeigeschaut - eine Shopping Mall - und mir mal einen natürlich künstlichen Christbaum zu Gemüte geführt...
Nach derart viel frischer Luft, Bewegung und Sonne steuert man aber gerne "nach Hause" und beschliesst den Tag, welcher am Abend leicht kühl wird, zuhause vorm Fernseher und entspannt bei der 100.000 Cricket-Begegnung "Indien vs. Australien".

Australien ABC:

25. Oktober (2009):
In Australien kein Feiertag, aber dennoch wurde letzte Woche einiges geboten: Bridge-Breakfast: Die Brücke wurde für den Autoverkehr gesperrt, Rollrasen wurde auf der ganzen Harbour-Bridge ausgelegt und 7.000 NSWler hatten die Möglichkeit dort ein Picnic abzuhalten. Desweiteren waren an diesem Tag auch wie schon geschrieben die Verabschiedung von einem Kriegsschiff, Tag der offenen Tür im Opernhaus, Leistungsschau der Küstenwache, usw... Wobei mir die Idee mit dem Picnic am besten gefallen hat...
Aboriginal:
Ein Stamm der Ureinwohner Australiens - heute gut organisiertes Abzockunternehmen, welches mit Folklore-Auftritten im CBD Geld schäffelt. "Künstler" werden im ein bis zwei Stunden Rhytmus von einem Kleinbus abgeholt und getauscht. (Es soll sich bitte nie mehr wer über die Musik beschweren die ich höre - das was hier unter Folklore läuft wird bei uns als Techno vertrieben...)
Alkohol:
Überall und davon reichlich.
Australier:
"Blader, fetter, lauter" - nicht nur ein Titel eines Albums von "Alkbottle", auch eine Lebenseinstellung der Australier(innen). Egal was man macht: Es muss laut sein - steht man in einer Warteschlange und es beginnen zwei Australier(innen) hinter einem zum Reden: Man verliert augenblicklich den Gedanken und versteht sich selbst nicht mehr...
Ängste:
Hat der Australier auch, versucht diese aber durch Überheblichkeit herunterzuspielen... (ich merke das jeden Tag aufs neue... Ich habe ihnen aber noch nicht verraten, dass ich eigentlich ein Buch über AutoCAD geschrieben habe und überlasse sie derzeit ihrer Arroganz, da ich für solchen Kleinkrieg weder Zeit noch Nerven habe...)
Co2:
Wird hier gerne produziert. Sei es mit Auto oder aber auch beim Fortgehen. Beim Fortgehen? Ja richtig - denn hier wird immer heraussen gesessen, egal ob es geht oder nicht. Geht es nicht, wird es möglich gemacht, durch ein Heer an Heizschwammerl. Australien hat den größten "pro Kopf Ausstoss" an klimaschädlichen Gasen - und dann sich über ein Ozonloch wundern... (der Umweltschutz ist hier soweit fortgeschritten, wie er bei uns in den 80ern war...)
Matrix (Reloaded):
Wurde in Sydney gedreht. Schlußszene im "Botanischen Garten". Andere Teile in der "White Bay Power Station" - unserem Sorgenkind Nr. 1 (heute als "Heritage" eingestuft). (Achja - Mad Max IV wird jetzt bis 2011 gedreht...)
Müll:
Viel davon prouzieren und am besten wo man sich gerade befindet deponieren - egal ob in Reichweite eine Mülltonne wäre oder nicht...
Übergewicht:
Dazu neigen die Australier(innen) auch sehr häufig. Bei den Portionen beim Essen allerdings kein Wunder - denn diese gehen über das Maß "reichlich" schon hinaus und enden meist bei "zu viel".



























































Das "Louvre" der Pfanzen... (aber eher enttäuschend - schönere Tropenpflanzen sieht man in Singapur für weniger Geld...)













Es ist Frühling...




































Flugfüchse...













und Gottes Sohn über mir.





















































Sydneys Norden um den "Farm Cove"













Woolloomooloo-Bay












"Pacific Dawn" am Auslaufen...












"Amsterdam" vor Anker













Achja - Ratten sind nicht so intelligent, dass sie wissen, dass diese Bleche ihnen gelten - dennoch heissen die Bleche "Rattenbleche" (verhindern das an Bord gehen von Ratten...)


















Kurz vorm Ziel - oder doch nicht?






























Blick Richtung Bondi Beach - der weiße Punkt kurz vorm Horizont ist die "Pacific Dawn"


















St. Marys Cathedral


















Mit der bin ich noch nicht gefahren. Mit was? Mit der Monorail die man in der Bildmitte sieht..













Victoria Building (Shopping Center)













Wie gesagt: Brücke und Oper sind reichlich verbaut...












Botanischer Garten und Wolloomooloo-Bay

















Jede Stadt brauch Rekorde... ;-)












Manche Ängste sind gar nicht unbegründet... (eine parlamentarische Anfrage wurde erst vor rund einem Monat gestellt, in der es darum ging, einen verschärften Englisch-Test für Einwanderer einzuführen...)

1 Kommentar:

  1. Schöne Fotos, schöne Stadt, schöner Urlaub - und alles auf Firmenkosten (beneidenswert). Wann geht's wieder von AUS nach AUT? Grüße aus HA!
    Hari
    PS: Die Siedelkartons warten schon auf dich!

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